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Dorfkirche gerettet – Westerwälder übergaben Spenden in Mecklenburg

MATERIELLER UND IDEELLER BEITRAG ZUR EINHEIT

Montabaur. Das Wirken der Kleinkunstbühne Mons Tabor e.v. geht weit über das organisieren anspruchsvoller Kulturveranstaltungen hinaus. Mit einer Aktion „Dorfkirche in Not“ wurden im Rahmen der Konzertreihe „Musik in alten Dorfkirchen“ über 3 Jahre Spenden für die Sanierung einer fast baufälligen kleinen Kirche an der Mecklenburger Seenplatte gesammelt. Jetzt waren die Mitglieder des Westerwälder Kulturvereins zur Scheckübergabe bei den Freunden im Mecklenburger Dörfchen Satow. Die Freude über die Gäste aus dem fernen Westerwald war groß. Die Eindrücke, die die Gäste mit in den Westerwald brachten, ebenfalls.

Zu den Beweggründen für die Aktion durfte der Vorsitzende der Kleinkunstbühne, Uli Schmidt (Horbach), in einer „Predigt“ im Sonntagsgottesdienst in Satow ausführlich Stellung nehmen. Mit dem von Willy Brandt stammenden wohl bekanntesten Zitat im Zusammenhang mit der deutschen Einheit, leitete er seine Rede ein: „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“. Die Wendzeit habe jedoch gezeigt, dass Vieles nicht von selbst zusammenwachse, sondern - wie in der Natur – gegossen werden müsse. „Die Spendenaktion soll in diesem Sinne ein bescheidener Beitrag zur Vollendung der gesellschaftlichen Einheit unseres Landes sein“, so Schmidt. Die ideelle Wirkung sei hierbei ungleich größer als die materielle.

Das Pastorenehepaar Lia und Dr. Ulrich Müller stellten die bereits ausgeführten Sanierungsmaßnahmen an der Dorfkirche vor und informierten über die Verwendung der übergebenen Spendenmittel. Diese sollen für die Gestaltung des Kircheninnenraumes verwendet werden.

Von freundschaftlicher Atmosphäre geprägt war das anschließende „Festessen“ im benachbarten Pfarrhaus mit Mitgliedern der Kirchengemeinde. Thema der sich über mehrere Stunden anschließenden Diskussion war die Situation der Kirche in der früheren DDR. Eindrucksvoll wurden die Versuche des DDR-Regimes dargestellt, den Einfluss der Kirchen auf ein Mindestmaß zurückzudrängen. Durch die Möglichkeit, eigene Publikationen herauszugeben und ihre Türen für kritische Künstler und oppositionelle Schriftsteller zu öffnen, hätten die Kirchen innerhalb des SED-Staates jedoch eine zweite Öffentlichkeit bilden können. So seien sie in den 80er Jahren zum Kristallisationspunkt für eine wachsende Zahl von verschiedenen Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen geworden, die den Staat von innen reformieren wollten. „Der friedliche Umbruch von 1989 war ohne die Kirchen in dieser Form nicht denkbar“, brachte es ein ehemaliger Arbeiter einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) auf den Punkt. Die intensiven Gespräche wurden am nächsten Tag fortgesetzt.

Im Mittelpunkt der Reise stand aber natürlich auch die herrliche Landschaft der Mecklenburger Seenplatte und die wirtschaftlichen Veränderungen nach der Wende. So erfuhren die Gäste bei einer Stadtführung in Malchow, der „Perle“ der Seenplatte, viel über den Zusammenbruch der früheren Industriestruktur. Einst als Stadt der Tuchmacher mit bis zu 4.000 Beschäftigten, bekannt, ist von diesem Wirtschaftszweig kaum etwas übrig geblieben. Ersatz konnte bisher noch nicht ausreichend geschaffen werden. Vertieft wurden die Eindrücke bei einem Besuch des DDR-Museums und in der historischen Klosteranlage.

Der touristische Teil der viertägigen Tour wurde eindrucksvoll abgerundet mit einer von einem „Ranger“ geführten Wanderung durch den „Müritz-Nationalpark“ und einer Schiffsfahrt über 5 der etwa 1.000 Seen in dieser eindrucksvollen Landschaft mit einer Erkundung der wunderschön renovierten Kreisstadt Waren. Die Geschichte der Landwirtschaft von der Junkerszeit bis zur LPG konnten die „Wäller“ im Agrarhistorischen Museum in Alt-Schwerin kennen lernen.

Es wurde verabredet, die Verbindung zwischen Montabaur und Satow nicht mit Abschluss der Spendenaktion enden zu lassen.