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Kulturkrise droht IST DAS WESTERWÄLDER KULTURANGEBOT GEFÄHRDET?

WW. Das Kulturangebot in der Region ist als "weicher Standortfaktor" für die Ansiedlung zukunftsfähiger Wirtschaftszweige von großer Bedeutung. Ist die Kulturpolitik im Westerwald nach einem Jahrzehnt des Aufbruchs nun aber fast unbemerkt in eine Krise geraten? Mehrere Eindrücke belegen diese Befürchtung. Die Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. ging bei einem "Kulturfrühstück" in Montabaur dieser Frage nach.

Der Vorsitzende des im unteren Kreisteil tätigen Kulturvereins, Uli Schmidt (Oberelbert), wies in einem Impulsreferat auf eine aus seiner Sicht zweifach drohende Kulturkrise hin: eine finanzielle und konzeptionelle. "Hierdurch ist das mühsam errungene kulturelle Angebot und damit auch der dauerhafte wirtschaftliche Aufschwung in der Region gefährdet", so die Einschätzung von Schmidt. Die finanzielle Situation vieler Sponsoren und Kommunen sei durch Sparzwänge und Mittelkürzungen bestimmt. Die Konzeptionslosigkeit der Kulturpolitik führe immer mehr zu einer Beliebigkeit des Kulturbetriebes, dem das Provokante und Aufregende immer mehr abhanden komme. Verstärkt führe dies zur Hatz auf den publikumswirksamen "Event".

Für den Stillstand der Kultur im Westerwald nannte Uli Schmidt einige Beispiele: so habe in Westerburg der Kulturreferent der VG mangels Anerkennung seiner Arbeit das Handtuch geworfen. Bedenklich sei auch das mangelnde Besucherinteresse bei vielen Highlights im Kultursommer. Beispielsweise seien zu den Konzerten der Reihe "Musik in alten Dorfkirchen" trotz hochrangiger Künstlergruppen 30 % weniger Gäste gekommen als noch 1998. Das soziokulturelle Zentrum "Felsenkeller" im benachbarten Altenkirchen habe gar einen wesentlichen Teil seiner Kulturveranstaltungen abgesagt. Auch das Gezerre um die beiden Kreismuseen in Hachenburg und Höhr-Grenzhausen sei wenig hilfreich. Zudem trete das Kultursponsoring auf der Stelle. "Ohne das Engagement der Kreissparkasse sowie teilweise auch von NASPA und Sparda-Bank, wäre bei einigen freien Veranstaltern wie der Kleinkunstbühne schon lange das Licht ausgegangen", so Schmidt.

Der Analyse sollen nach dem Willen der Kleinkunstbühne aber mehrere erfolgversprechende Maßnahmen folgen. Hierbei sei zunächst davon auszugehen, dass sich die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen für Kulturpolitik grundlegend verändert haben. Um Möglichkeiten für eine kulturpolitische Weiterentwicklung zu eröffnen bedürfe es daher einer neuen Zieldiskussion. Unverzichtbar sei auch die bessere Vernetzung und engere Zusammenarbeit der kommunalen und freien Kulturanbieter. So dürften die Kommunen nicht aus Prestigegründen gegeneinander arbeiten, sondern müssten an einem kulturellen Strang ziehen. Diesem Ziel diene die Bildung von gemeinsamen "VG-Kulturbüros" oder einer kreisweiten "Kultur GmbH". Diese müssten geleitet werden von Machern die für die Kultur auf die Barrikade gehen, anstatt von Kulturverwaltern ohne Risikobereitschaft und Ideen. Durch geeignete Werbemaßnahmen solle zudem versucht werden, mehr als bisher nur 15 bis 20 % der Bevölkerung für das Kulturprogramm der Region zu begeistern.

Noch ist Zeit genug, das Ende der Kulturpolitik im Westerwald zu verhindern, so die Mitglieder der Kleinkunstbühne Mons Tabor hoffnungsvoll.